Auch ein Meergrün braucht mal Regenwasser

Enrico Marklowskys Raritätengärtnerei im südbadischen Grunern ist bekannt für ihre Vielfalt an Stauden. Und auch wenn der Standort ideal ist, manchmal braucht’s doch ein bisschen Wasser extra.

Enrico Marklowsky dreht sich einmal um die eigene Achse und sagt: Da war nichts!  Einige Jahre später ist da eine Menge. Auf dem halben Hektar großen Gelände in Grunern bei Staufen teilen sich 2000 verschiedene Pflanzen den Platz. Die Gärtnerei Meergrün hat sich der Vielfalt und den Raritäten verschrieben. Wer in Südbaden, der Heimat von GRAF, Szechuan-Pfeffer sucht, Apfelraritäten oder japanischen Ingwer, muss nicht nach Südchina oder Japan fahren. Die Gärtnerei Meergrün hat es vielleicht. Dazu noch Oregano, Minze, Sanddorn, Salbei und Thymian. Vielleicht sogar etwas schmackhafter als sonst wo …

Als Enrico Marklowsky und seine aus der Schweiz stammende Frau Renate Gyger vor über 20 Jahren hierherkamen, gab es nur Wildwuchs und den Wald. Der Wald steht immer noch, aber aus dem Buschland ist eine gesuchte Gärtnerei geworden. In der Gärtnerei wächst der Bambus baumhoch und wie zu erwarten, gibt es Gemüsebeete, ein Gewächshaus, Orchideen und vieles mehr. Meergrün ist eine Staudengärtnerei. „Das ist mehr ein Oberbegriff“, erklärt Enrico Marklowsky. „Das geht von bis“, sagt er, von Pflanzen, die sehr viel Wasser brauchen, bis zu solchen, die die Dürre lieben.

Ein Blick in Enrico Marklowskys schönen Garten:

In Bild 1 und 2 blühen zwei Bartnelken – farbenfrohe Hingucker und eine wertvolle Nahrungsquelle für Holzbienen und andere Insekten.

Bild 3 zeigt Enrico Marklowsky beim Schälen eines jungen, essbaren Bambus.

In Bild 4 rankt ein Zwergefeu den Baum hinauf – in der Natur eine echte Seltenheit. Da er nur langsam wächst, wird er meist vom gewöhnlichen Efeu überwuchert.

Auf den ersten Blick erscheint die Gärtnerei, als hätte sie ein Peter Lustig gezimmert. Die Holzbretter sind charmant, die Farben sind angenehm fürs Auge. Vorne gibt es einen kleinen Laden mit Küchenkräutern oder auch mal Beeren der Saison. In der Gärtnerei hat es ein Gewächshaus mit Ratz und Rübe, zwei Schildkröten, die ihn seit der Kindheit begleiten. Richtung Wald strecken sich Beete mit Bohnen und Kohl, ganz oben liegen eine Wiese und ein angelegter Waldgarten, wo im Schatten Pflanzen wachsen, die wenig Sonne brauchen. Hier ist es fünf Grad kühler. Und ganz klar: Das ganze Grünzeug braucht natürlich Wasser. Jede Menge! Ein Unterfangen für jeden Gärtner, ob Profi oder Amateur – gerade wenn große Gewächse mit im Garten stehen, wie uns der Fachmann erklärt. „Die Bäume machen den Pflanzen Konkurrenz beim Wasser saugen.“ Da brauche es am Ende viel mehr Nass.

Irgendwas sollte man sich einfallen lassen, damit es im dicht bewachsenen Garten mit dem Brunnenwasser nicht zu teuer wird und die Pflanzen schlimmstenfalls eingehen. Zum Beispiel ein Wassertank, um Regenwasser aufzufangen. „Regenwasser ist das beste“, sagt Enrico Marklowsky. Damit will er die Trockenphasen überbrücken, die ihn zum Glück nicht ganz so hart treffen. Ein Bach fließt durch und auch der Schwarzwald strahlt Kühle ab. Das Stadtwasser kommt aus dem Münstertal und ist idealerweise weich. „Ich bin ein Glückspilz.“ Wenn aber im Münstertal die Quellen versiegen, dann wird anderes Wasser zugeleitet, das kalkhaltig ist – und das ist dann weniger optimal. Manche Pflanzen sind sensibel. Auch die Kalkflecken auf den Pflanzen sind nicht schön, wenn er sie mit einem Nebelaufsatz wässert. „Das vertragen nicht alle“, sagt er. Ein Tank fürs weiche Regenwasser kann also im Garten nicht schaden, auch wenn das Leitungswasser in manchen Gegenden noch so gut sei, findet der Profi.

Bleibt die Frage, wie die Gärtnerei zu ihrem ungewöhnlichen Namen kam.  Meergrün? Die Geschichte geht so: In den 1980er-Jahren verließ ein junger Bursche seine Heimat Schleswig-Holstein, um in der englischen Grafschaft Surrey an der Royal Horticultural Society Gartenbau zu studieren. „Jeden Monat durfte er für eine Orchideenschau nach London. Das gefiel ihm sehr. 1997 wurde er Betriebsleiter bei der Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin in Sulzburg. Danach ging er wieder zurück in den Norden, um eine Gärtnerei zu gründen, nur um kurze Zeit später wieder im Süden aufzuschlagen. Den Namen brachte er mit. Da man vom alten Standort noch das Meer sehen konnte, nannte er sie Meergrün.