Gewerbliche Regenwassernutzung: Das ungenutzte Potenzial auf dem Dach

Wasser kostet Geld, und die meisten Unternehmen sehen das erst an der Jahresrechnung. Privathaushalte sammeln Regenwasser längst in Tonnen und Zisternen, der gewerbliche Sektor hinkt hinterher, obwohl die Voraussetzungen dort oft besser sind.

Große Dachflächen bedeuten großes Potenzial

Lagerhallen, Produktionsstätten und Einkaufszentren haben eines im Überfluss: Dachfläche, und die entscheidet, wie viel Regenwasser sich sammeln lässt. Ein Einfamilienhaus kommt je nach Dachgröße und Region meist auf 50 bis 100 Kubikmeter im Jahr, ein mittelgroßer Gewerbebetrieb sammelt schnell ein Vielfaches davon.

Gleichzeitig brauchen Betriebe oft dauerhaft Wasser dort, wo keine Trinkwasserqualität nötig ist: Toilettenspülung, Fahrzeugreinigung, Bewässerung, Prozesswasser in der Produktion. All das lässt sich mit Regenwasser abdecken.

Diese Branchen profitieren am meisten

Ein System rechnet sich am stärksten dort, wo viel Fläche auf hohen betrieblichen Wasserbedarf trifft:

  • Gärtnereien und Agrarbetriebe – hoher Bewässerungsbedarf, große Freiflächen
  • Logistikunternehmen – große Hallenkomplexe
  • Produzierende Unternehmen – Regenwasser als Prozesswasser, sofern die Wasserqualität es zulässt
  • Supermärkte, Baumärkte, Hotels – hoher Verbrauch im laufenden Betrieb

Was sich konkret einsparen lässt

Wie groß der Hebel sein kann, zeigt ein Referenzprojekt von uns bei GRAF selbst: Am Kompetenzzentrum Rohstoffe in Herbolzheim sammelt ein 52.000-Liter-Carat-XXL-Erdtank das Niederschlagswasser von 2.125 Quadratmetern Dachfläche. Allein dadurch spart das Werk rund 8.000 Euro Trinkwasserkosten und weitere 10.000 Euro Niederschlagsgebühren im Jahr, das Regenwasser läuft zudem als Prozesswasser in die Kühlkreisläufe der Produktion.[1]

Wie schnell sich eine Anlage amortisiert, hängt von Größe, Wasserverbrauch und Wasserpreis ab. Nach Angaben der Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung (fbr) amortisieren sich größere Anlagen in öffentlichen Gebäuden häufig schon nach zehn Jahren, in der Industrie vielfach schon nach fünf, ein Zeitraum, der sich mit steigenden Wasserpreisen weiter verkürzt.[2]

Ein zweiter Hebel wird oft übersehen: die gesplittete Abwassergebühr. Immer mehr Kommunen berechnen Schmutz- und Niederschlagswasser getrennt, je nach versiegelter Fläche, die in die Kanalisation entwässert. Wer Regenwasser sammelt oder versickert, reduziert diese Fläche, und in manchen Gemeinden entfällt die Gebühr sogar vollständig.[3]

Wasserverbrauch nach Sektor: Die Zahlen im Überblick

Von den 17,9 Milliarden Kubikmetern Wasser, die 2022 in Deutschland entnommen wurden, entfiel fast ein Drittel auf Bergbau und verarbeitendes Gewerbe:

SektorAnteil der Gesamtentnahme 2022Entnommene Menge
Energieversorgung (v.a. Kühlwasser für Kraftwerke)38,6 %ca. 6,9 Mrd. m³
Öffentliche Wasserversorgung (Haushalte, Kleingewerbe)29,8 %ca. 5,3 Mrd. m³
Bergbau und verarbeitendes Gewerbe29,1 %ca. 5,2 Mrd. m³
Landwirtschaft2,5 %ca. 0,5 Mrd. ³

Quelle: Umweltbundesamt, Datenstand 2022.[5]

Regulatorischer Rückenwind

Kommunen und Länder verlangen zunehmend, dass Unternehmen Niederschlagswasser dezentral bewirtschaften, statt es in die Kanalisation zu leiten: zurückhalten, versickern oder nutzen. Wer heute investiert, kommt künftigen Auflagen zuvor, und auch in Nachhaltigkeitsberichten gewinnt Wasser an Gewicht: Regenwassernutzung liefert messbare Kennzahlen für ESG-Kriterien, ISO-14001-Zertifizierungen und CSR-Reporting.

GRAF-Lösungen für Gewerbebetriebe

Der Carat XXL Erdtank von GRAF ist in Größen von 16.000 bis 122.000 Litern erhältlich[4] und lässt sich zu größeren Anlagen kombinieren. Versickerungssysteme senken die Niederschlagswassergebühr, Retentionszisternen puffern Starkregen und entlasten die Kanalisation. GRAF hat bereits Einkaufsmärkte, Sportarenen und Logistikstandorte damit ausgestattet, Unternehmen mit einem konkreten Vorhaben erreichen das GRAF-Team direkt.

  • Kann Regenwasser als Prozesswasser in der Produktion genutzt werden?

    Ja, überall dort, wo keine Trinkwasserqualität nötig ist, etwa bei Kühl- und Waschwasser oder Kreislaufsystemen, nach geeigneter Filterung. Am GRAF-Werk Herbolzheim läuft gesammeltes Regenwasser direkt in die Kühlkreisläufe der Produktion.[1]

  • Was ist die gesplittete Abwassergebühr?

    Eine Gebührenform, bei der Schmutz- und Niederschlagswasser getrennt berechnet werden, Letzteres nach versiegelter Fläche, die in die Kanalisation entwässert. Wer Regenwasser sammelt oder versickert, reduziert diese Fläche und die Gebühr.[3]

  • Wie lange dauert die Amortisation einer gewerblichen Regenwasseranlage?

    Laut fbr e.V. amortisieren sich größere Anlagen in öffentlichen Gebäuden häufig schon nach zehn Jahren, in der Industrie vielfach schon nach fünf.[2] Mit Förderprogrammen oder in Regionen mit hohen Wasserpreisen verkürzt sich dieser Zeitraum weiter.

  • Für wen lohnt sich ein gewerbliches Regenwassersystem?

    Für jeden Betrieb mit großer Dach- oder Betriebsfläche und nennenswertem Wasserbedarf außerhalb der Trinkwasserqualität, besonders für Gärtnereien, Logistikbetriebe, Produktionsunternehmen, Supermärkte, Baumärkte und Hotels.

Fazit

Ein Regenwassersystem rechnet sich im gewerblichen Kontext gerade wegen der Größe, nicht trotz der Investitionssumme. Wer weiterhin vollständig auf Trinkwasser setzt, lässt Geld liegen, hinkt der Regulierung hinterher und verschenkt ein Argument für die eigene Nachhaltigkeitsstrategie.

Der nächste heiße Sommer kommt, und mit ihm steigende Wasserpreise.

Quellen

  1. GRAF – Referenzbericht Regenwassernutzung, GRAF Kompetenzzentrum Rohstoffe Herbolzheim
    https://www.graf.info/de/regenwassernutzung-unterirdisch/referenzen/graf-werk-herbolzheim.html
  2. Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung e. V. (fbr) – fbr-Wissen: Regenwasser sammeln und nutzen, Information für Kommunen (Darmstadt, 2019)
    https://www.fbr.de/epaper/epaper-Information_fuer_Kommunen/
  3. GRAF – XXL Regenwassernutzung im gewerblichen Bereich
    https://www.graf.info/de/regenwassernutzung-unterirdisch/regenwassernutzung-xxl.html
  4. GRAF – Regenwasser-Erdtank Carat XXL
    https://www.graf.info/de/regenwassernutzung-unterirdisch/regenwassertanks/regenwassertank-carat/carat-tank-xxl.html
  5. Umweltbundesamt – Wasserressourcen und ihre Nutzung (Datenstand 2022, Stand Mai 2025)
    https://www.umweltbundesamt.de/daten/wasser/wasserressourcen-ihre-nutzung
  6. Umweltbundesamt – Wassereinsatz des verarbeitenden Gewerbes (Datenstand 2016, aktuellste verfügbare Aufschlüsselung)
    https://www.umweltbundesamt.de/daten/umwelt-wirtschaft/industrie/wassereinsatz-des-verarbeitenden-gewerbes